top of page

Das Erbe der deutschen Architektur in der georgischen Hauptstadt

Apr 23
3 min read

Deutschland nimmt in der georgischen Geschichte einen besonderen Platz ein. Es ist ein so umfangreiches und reiches Thema, dass nicht nur ein Blog—oder sogar ein oder zwei Bücher—ausreichen würden, um es vollständig zu behandeln. Dennoch werde ich versuchen, einige Geschichten zusammenzufassen, die nicht unbedingt für Historiker oder Forscher gedacht sind, sondern für Erstbesucher aus Deutschland, die als Touristen nach Georgien kommen. Nach Wanderungen in den Bergen möchten sie vielleicht etwas mehr über die Geschichte der Stadt und des Landes erfahren, das sie entdecken.


Natürlich kann kein Besucher die Rustaweli-Allee vermeiden. Ein Spaziergang entlang dieser Straße ist ein besonderes Erlebnis. Bevor wir zum Hauptthema kommen, lohnt es sich zu betonen, dass Deutschland für Georgien immer ein besonderes Land war—durchgehend in positiver Weise im Laufe der Geschichte.


Alles begann im Jahr 1817, als die ersten deutschen Schwaben aus Württemberg nach Georgien kamen und Siedlungen in Tiflis und anderen Regionen gründeten. Die Gründe für ihre Migration waren vielfältig, darunter religiöse und wirtschaftliche Faktoren, auf die ich hier jedoch nicht näher eingehen werde. Seit 1801 war Georgien Teil des Russischen Reiches, und der Zar versprach den Siedlern günstige Bedingungen. Anfangs lebten etwa 3.000 Deutsche in verschiedenen Teilen Georgiens, darunter auch in Tiflis. Sie brachten Elemente der europäischen Kultur mit—Bierbrautraditionen, Kartoffeln und auch neue Formen der Milchwirtschaft, während in Georgien traditionell eher Büffelmilch verwendet wurde.


In den 1930er Jahren, während der Sowjetzeit und im Umfeld des Zweiten Weltkriegs, wurden etwa 23.000 Deutsche aus Georgien nach Zentralasien und Sibirien deportiert.


Dieser kurze Hintergrund führt uns zum Hauptthema. Es mag überraschen, dass es weltweit nur wenige Hauptstädte gibt, deren zentrale Prachtstraße maßgeblich von deutschen Architekten geprägt wurde—und Tiflis ist eine davon.


Machen wir einen Spaziergang entlang der Rustaweli-Allee, von der Metrostation Rustaweli bis zum Freiheitsplatz.


Eines der ersten beeindruckenden Gebäude ist das Opernhaus von Tiflis, das 1896 vom Architekten Viktor Johann Gottlieb Schröter (1839–1901) neu errichtet wurde. Seine Eltern waren von Wittenberg nach Sankt Petersburg gezogen. Er absolvierte die Akademie der Künste in Sankt Petersburg und studierte auch in Berlin. Ab den 1860er Jahren arbeitete er in Tiflis und ist vor allem für seine Arbeit am Opernhaus bekannt.


Wenn man weitergeht, sieht man ein weiteres bedeutendes Gebäude, entworfen vom deutschen Architekten Albert Salzmann (1833–1897). Er wurde in Tiflis in eine schwäbische Familie geboren und studierte an der Akademie der Künste in Sankt Petersburg. Salzmann entwarf viele bedeutende Gebäude in der Stadt. Er wurde auf dem deutschen lutherischen Friedhof in Kukia beigesetzt, der heute leider nicht mehr existiert. Eines seiner Werke ist das ehemalige Kaukasische Militärmuseum, heute die Nationalgalerie (Rustaweli-Allee Nr. 11).


Direkt gegenüber der Nationalgalerie steht ein weiteres beeindruckendes Gebäude—das Erste Klassische Gymnasium von Tiflis (Rustaweli-Allee Nr. 10), entworfen von Otto Jakob Simonson. Er wurde 1829 in Dresden geboren und arbeitete von 1859 bis 1909 in Tiflis. Er entwarf zahlreiche bedeutende Gebäude, darunter Kirchen und private Wohnhäuser wohlhabender Familien. 1909 zog er nach Riga, wo er 1914 verstarb.


In der Rustaweli-Allee Nr. 9 befindet sich die Kaschweti-St.-Georgs-Kirche, entworfen von Albert Salzmann und Otto Simonson.


Weiter entlang wurde der ehemalige Vizekönigspalast (heute Jugendpalast, Rustaweli-Allee Nr. 6) in den Jahren 1870–71 von Otto Simonson umgestaltet, der dem Gebäude seine heutige Fassade verlieh.


Schließlich, am Freiheitsplatz, wurde das heutige Gebäude des Stadtrats von Tiflis vom deutschen Architekten Paul Stern umgestaltet. Er fügte dem zentralen Teil ein drittes Stockwerk hinzu und verlieh dem Gebäude so seine gestufte Silhouette. Außerdem ersetzte er den bestehenden Feuerturm durch einen höheren, pavillonartigen Rathausturm mit Uhr. Die Fassade wurde nach seinem Entwurf mit maurischen Elementen dekoriert.


Was ich oben beschrieben habe, konzentriert sich hauptsächlich auf das 19. Jahrhundert, doch auch im 20. Jahrhundert spielten Deutsche eine bedeutende Rolle in Georgien—eine Geschichte, die ich in einem zukünftigen Blog weiter erzählen werde.

Comments


615848988_1420858062912473_5599714289017174153_n.jpg
615790045_2124761314963407_5784972373791566916_n.jpg
614883646_1280750137228314_5937866607902091047_n.jpg
612822897_702913092753127_7673721534566087403_n.jpg
bottom of page